Am Sonntag, 15. März hatten sich fünf Mitglieder des peruanischen Partnerschaftskreises im Flughafen von Lima eingefunden, um der kleinen Delegation aus Lauf (Klaus Sauer, Gerti Theobald, Roswitha und Bernhard Droll) einen herzlichen Empfang zu bereiten. Nach einer kurzen Fahrt fand um 12 Uhr mittags ein Begrüßungsgottesdienst statt. Padre Alfonso Abarca begrüßte die Laufer Abordnung. Bernhard Droll stellte in seiner Rede Deutschland und Europa vor, er berichtete von den Herausforderungen, die man zu bewältigen habe wie z. B. die Integration von Zuwanderern und Asylanten. Er sagte, dass die Themen Bildung, die Ausbildung und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen für die hervorragend zusammenarbeitenden Partnerschaftskreise absolute Priorität haben. In Perú wachsen über 80 % der Kinder ohne intakte Familie auf und viele Kinder brechen den Schulbesuch vorzeitig ab. Dem gilt es entgegenzuwirken, denn mit Drogen, Waffen und Prostituition sind nur vermeintlich Geld und Glück zu erreichen.
Im Mittelpunkt des viertägigen Besuches standen die Besichtigungen der gemeinsamen Projekte, für die sich 19 ehrenamtliche Mitglieder der Pfarrgemeinde engagieren. Das erste Projekt befindet sich direkt im Hafengebiet von Puerto Nuevo. Hier wurde in den vergangenen Jahren ein kirchliches Jugendhaus (Casa de los Jovenes) errichtet und ein verrottetes ehemaliges Kino in eine kleine Kapelle umgewandelt. In diesem Jugendhaus werden 178 Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 18 Jahren betreut und gefördert. Täglich gibt es ein warmes Essen und individuelle Förderung in Musik und Tanz. Es präsentierten sich eine Musikband mit tollem Latinorock und Salsa, eine Gruppe mit Gitarrenmusik sowie eine Trachtengruppe, die einen Erntedank-Tanz anlässlich der Zuckerrohrernte vorführte. Beispielhaft lernte man einen 16-jährigen Drogenaussteiger kennen, der über die Musik sein Selbstvertrauen und Glück gefunden hat, ohne dass er weiter zu Drogen greifen muss. Bei den Bauarbeiten der Gebäude waren bis auf einen Maurer nur Jugendliche beschäftigt, die sich so handwerkliche Fertigkeiten aneignen konnten.
In der einem weiteren Comedor (Casa de Acogida) werden ausschließlich Kinder der Primarschule betreut. Es gibt täglich ein warmes Essen und Hausaufgabenhilfe. Die verantwortlichen vier Mitarbeiterinnen haben für die Kinder eine kleine Bibliothek eingerichtet. Sehr beeindruckend war zu sehen, wie mehrere Jugendliche aus dem nahe gelegenen Gymnasium (Colegio) die Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren förderten. Diese Jugendlichen erhalten von der Partnergemeinde Lauf Stipendien, ohne diese finanzielle Hilfe könnten sie das Colegio nicht besuchen. Sehr bewegend war die Geschichte eines sechsjährigen Jungen zu hören, der im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße lebte. Seine Eltern sind obdachlos und völlig verwahrlost, der Vater ist alkoholsüchtig und die Mutter von synthetischen Drogen abhäng. Von Montag bis Freitag darf dieses Kind in der Casa de Acogida leben, bekommt Essen und Erziehung. Am Samstag und am Sonntag nehmen die Salesianerpadres dieses Kind derzeit in ihrem nahegelegenen Konvent auf.
Der Comedor Juanito Bosco ist im Erdgeschoss des Gemeindehauses der Pfarrei (Haus Hefter) installiert. Die betreuenden Mitarbeiterinnen bekochen täglich in mehreren Schichten rund 50 Kinder und achten darauf, dass sie die Schule besuchen. Sie üben die Funktion von Ersatzeltern aus, sie geben Nähe und Liebe. Leider sind einige notwendigen Einrichtungen für die Küche derzeit defekt. Spontan hat der Vorsitzende des Perukreises eine zusätzliche finanzielle Hilfe zugesagt, damit die ehrenamtlichen vier Helferinnen, darunter die Vorsitzende des Partnerschaftskreises Mercedes Cueto, ihre Arbeit erbringen können.
Zwischen Padre Alfonso Abarca, Pfarrer der Parroquia San Juan Bosco und gleichzeitig auch Leiter des Colegios Juan Bosco (Elementarschule und Gymnasium) und dem Perukreis Lauf wurde vereinbart, dass aus den Laufer Spendenmitteln das Schulgeld für fünf Stipendiaten (Becas) gewonnen wird. Jeder dieser Gymnasiasten stellte sich den Besuchern vor und bat den Dank nach Lauf zu übermitteln. Padre Alfonso hatte die Empfänger der Stipendien ausgewählt und sorgt pädagogisch geschickt dafür, dass kein Neid und kein Mobbing aufkommen kann.
Die pädagogische und soziale Arbeit in der Partnergemeinde ist sehr fruchtbar. Die Leitung des Salesianerordens hat deshalb auch zu Padre Alfons Abarca und Padre Marino de Pra nun auch noch Padre Jesús nach Callao geschickt. Padre Jesús war vorher Leiter des Colegio San Bosco in der rund zwei Flugstunden entfernten alten Inkastadt Cusco. Die Laufer Delegation konnte sich davon überzeugen, mit welch großem persönlichen Einsatz und mit welch kreativer Intensität in dem problembeladenen Stadtteil gearbeitet wird.
